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© Mary Miller

Mary Miller

Mary Miller wurde 1977 in Texas geboren, studierte Literatur an der University of Southern Mississippi und lebt heute in Austin. Sie ist Autorin der Kurzgeschichten-Sammlung »Big World« (Short Flight/Long Drive Books 2009), die bereits in dritter Auflage vorliegt. Ihre Erzählungen sind in allen wichtigen Print- und Online-Literatur-Magazinen sowie Anthologien erschienen. Nachdem erste Erzählungen von ihr auf Deutsch zu lesen waren (in »Krachkultur« Nr. 14/2012 und »Krachkultur« Nr. 15/2013), kannte die Euphorie hierzulande keine Grenzen mehr. Daher ist ihr erster Roman »Süßer König Jesus« zuerst in Deutschland herausgekommen (2013 bei Metrolit, übersetzt von Alissa Walser), danach erst in den USA (2014 bei W.W.Norton). Im Frühjahr 2017 erscheint endlich auch ihr legendärer erster Erzählband »Big World« auf Deutsch.

»Mit der emotionslosen Aufmerksamkeit eines Andy Warhol, die sich der seelenverdünnenden Banalität des gewöhnlichen Lebens aussetzt, beschreibt Miller jede Fahrt zu einer Karaoke-Bar, einem Fast-Food-Restaurant, einer Drogerie.«
Joyce Carol Oates

Titel

Big World

Was passiert, wenn man die Liebe immer beim Falschen sucht?
Ein heruntergekommener Wohnwagen, ein Wasserfleck an der Zimmerdecke, ein Luftgewehr – es sind unscheinbare Dinge, die in Mary Millers Erzählungen den Kern einer Geschichte enthüllen: die Sehnsucht nach einem anderen Leben, die Angst, dass es keine Zukunft gibt, Lieblosigkeit und Gewalt. Dass die jungen Frauen dieser Storys in ihrer Welt verloren sind, dass Sex, Alkohol und Drogen diesen Zustand nur vorübergehend kaschieren, wer wollte daran zweifeln. Sie sind attraktiv, aber von der rauen Sorte, sie wissen, »hübsch« macht das Leben nur noch komplizierter – sie teilen aus, sie wehren sich und lassen sich nichts vormachen. Die ›Big World‹, die schöne große Welt, die ihnen der Vater einst fürs Leben versprochen hatte, erweist sich als ein Ort von Schmerz, Einsamkeit und Langeweile, und das zahlen sie dieser Welt und den Männern, die sie so gerne lieben würden, heim.

»Komischer Deprimismus, das ist die Formel dieser Geschichten, etwas gleichtönend zwar in der schmetterlingshaften Unterwürfigkeit all dieser verwunderten Frauen. Doch wer liest Erzählungsbände schon am Stück? Man sollte sie sich einteilen. Jede Woche eine Depression aus Texas.«
Der Spiegel, Volker Weidermann

»Das ist die große Welt nach Mary Miller, schäbig und desolat, gekonnt zusammengeschnurrt auf kleine, gemeine und hintersinnige poetische Geschichten. We are all born to die.«
taz, René Hamann

»Zu den Risiken und Nebenwirkungen der Lektüre dieser Storys gehören Desillusionierung und anhaltende Phasen von Zynismus. Man lese sie sorgfältig dosiert, nicht mehr als eine pro Tag. Sie sind nicht leicht verdaulich. Aber wirklich gut geschrieben.«
literaturkritik.de

Süßer König Jesus

Zwei Lolitas auf dem Rücksitz, die eine voller sexueller Neugier, die andere heimlich schwanger. Am Steuer: die religiösfundamentalistischen Eltern auf ihrem Weg nach Kalifornien – dem Weltuntergang entgegen. Ein Buch von literarischer Wucht mit einem Plot, den sich die Coen-Brüder nicht besser hätten ausdenken können.

»Eine Entdeckung der Sonderklasse! Wer den Seelenzustand, der zwischen Verfolgungswahn und Größenwahn taumelnden USA erkunden will, muss diesen Roman lesen.«
ZDF, Das Blaue Sofa

»[Mary Miller] formuliert Jess’ Gedanken in einer Einfachheit, die einen rührt und derentwegen man das Buch unbedingt auch als Jugendlektüre empfehlen kann. Mary Miller braucht keine extra-trashigen Sexszenen und keine religiösen Abartigkeiten für die Sozialkritik, die ihr literarisches Roadmovie ebenfalls enthält.«
NZZ am Sonntag

Krachkultur 15/2013

Mit Mary Miller präsentiert die »Krachkultur« den wohl heißesten Independent-Tipp aus Übersee. Junge unverstandene Menschen sind das Thema dieser Autorin. Ihre Figuren sind wütend und traurig zugleich. Sie sind ebenso wissend wie ratlos. Das macht sie philosophisch. Ihre Sehnsucht nach Romantik ist groß, aber der Zeitgeist verlangt pornografische Abgeklärtheit von ihnen. In der Tradition von Bret Easton Ellis (»Unter null«) geschrieben, handeln die Geschichten der Mary Miller – auch die hier veröffentlichte namens »Cedars of Lebanon« – vor allem vom Verlust, dem Verlust aller Illusionen.

»Der Text ›Cedars of Lebanon‹ von Mary Miller spielt in versifften Wohnungen und Wohnwagen. Die Frage ist: Kann eine junge Frau gleichzeitig von enormer Herzlosigkeit und von kindlichem Liebesbedürfnis sein? Ja, anders geht es gar nicht. Denn ihre Oberflächlichkeit und ihr dringlicher Wunsch nach Nähe bedingen einander geradezu, um eine völlig verschlampte Zweierbeziehung aushalten zu können. Im dreckigen Bett liegen, Filme sehen, an die Tage denken, die verschwendet sind, und an jene, die noch verschwendet werden: Das ist das höchste der Gefühle, das ein Lehrer und seine Freundin überhaupt noch zustande bringen.«
Basler Zeitung, Christine Richard

»›Cedars of Lebanon‹ – eine eher konventionell, aber mitreißend erzählte Short Story über ein leidgeprüftes, emotional verwahrlostes White-Trash-Mädchen, das aus reiner Indolenz und Lethargie mit einem ungeliebten Dopedealer liiert ist.«
taz, Frank Schäfer

Krachkultur 14/2012

Eine echte Entdeckung für den deutschen Sprachraum stellt die junge Amerikanerin Mary Miller dar, die in
ihrer Kurzgeschichte »Seile über schlammigen Flüssen« im Stile eines Bret Easton Ellis zwei mehr oder weniger
normal gestörte Schwestern einen lebensmüden Jüngling beobachten lässt, dessen Neigung zu Autounfällen
fatal ist. Und in ihrer Kurzgeschichte »Engel«, die es als Zugabe gibt, führt die Autorin eine sich selbst entlarvende
Ich-Erzählerin vor, deren Verhältnis zur neuen Männlichkeit von enttäuschter Erwartung geprägt ist.

»Zu den Glanzstücken der ebenso poetischen wie trashigen Postille gehören zwei wahnsinnig gute Kurzgeschichten
der hierzulande noch vollkommen unbekannten Schriftstellerin Mary Miller.«
Rolling Stone, Alexander Müller