Autor/in
© Markus Gmeiner

Eva Schmidt

Eva Schmidt, geb. 1952, lebt in Bregenz. Debütierte 1986 mit einem viel beachteten Prosaband und gewann in der Folge zahlreiche literarische Preise. Neben »Ein Vergleich mit dem Leben« veröffentlichte sie noch zwei weitere Bücher im Residenz Verlag (»Reigen«, 1988, und »Zwischen der Zeit«, 1997), ehe sie für beinahe 20 Jahre literarisch verstummte. 2016 gelang ihr mit dem Roman »Ein langes Jahr« (Jung und Jung) ein phänomenales Comeback – das Buch stand auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2016. Im Frühjahr 2019 ist ihr neuer Roman erschienen: »Die untalentierte Lügnerin« (Jung und Jung), das ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde.

»Eva Schmidts Texte erinnern an Bilder, wie Edward Hopper sie gemalt hat.«
Peter Hamm, DIE ZEIT

»Es ist die betörende Nüchternheit und luzide Genauigkeit ihrer Sätze, die mich an dieser Autorin begeistern.«
Robert Schneider (»Schlafes Bruder«)

Titel

Die untalentierte Lügnerin

Nachdem ihr Versuch, Schauspielerin zu werden, gescheitert ist, kehrt Maren zurück an den Ort ihrer Kindheit. Mit ihrer bevormundenden Mutter, einer so egozentrischen wie erfolglosen Künstlerin, und ihrem Stiefvater Robert, einem reichen Unternehmer, der für alle und alles aufkommt, lebt sie in dem luxuriösen Haus am See. Als die Spannungen zwischen Maren und ihrer Mutter zunehmen, bietet ihr Robert die Firmenwohnung an. Dort findet sie bald heraus, dass er offenbar ein Doppelleben führt, dass er ihre Mutter nie geliebt hat, dass so vieles anders sein könnte in ihrer kleinen Welt, als es schien. Und dass der Zwang zu lügen stärker wird, je mehr sie weiß.
So wie es hinter der stillen Oberfläche ihrer Sätze rumort, so monströs sind die scheinbar alltäglichen Verhältnisse, von denen Eva Schmidt hier erzählt, so berührend wirkt der kühle Ton, den sie anschlägt: ein Psychogramm ohne Psychologie, ein gleichermaßen feinsinniger wie aufregender Roman über den Wunsch nach Nähe und die Sehnsucht nach Grenzüberschreitung.

»Mit ihrem neuen Buch schreibt Eva Schmidt ihre Erkundung menschlicher Minihöllen, wie das ein Kritiker nannte, auf beeindruckende Weise fort; radikal fokussiert auf das bloße Zeigen bestimmter prekärer Zustände und Zusammenhänge, ohne jegliche Zugeständnisse an Markt und Moden. Wie Eva Schmidt es dabei vermag, das Monströse im Verschwiegenen, Verleugneten oder Ungesagten zu beschwören und fühlbar zu machen, das ist famos.«
WDR3, Peter Henning

»Eva Schmidt ist eine Autorin mit großem Sensorium für die Psychologie des Alltäglichen. Sie beherrscht, was nur wenigen gelingt: den Stoff für unaufdringliche Bücher so überzeugend zu gestalten, dass sie umso bedeutsamer werden.«
Der Standard, Gerhard Zeillinger

»Vieles ist an diesem herausragenden Roman zu loben – allein schon die Sprache, […] Es liegt an den Sätzen, dass man dieses Buch nie „ausgelesen“ hat, sondern sich immer wieder darin verfängt, sobald man es aufschlägt. Musikalische Sätze, die über Abgründe gespannt sind und manchmal über die hinausführen. Das eigentlich Sensationelle an diesem Roman ist ja, wie er ohne große Proklamation ein anderes Leben für möglich hält. Wie er Maren dieses andere Leben ohne Lüge zutraut, ohne in pompöse Proklamationen zu verfallen. […] Jedenfalls ist eine Prosa dieser Intensität selten. Sehr selten.«
Ö1 Ex libris, Cornelius Hell

Ein langes Jahr

Eva Schmidts Blick gilt den Menschen, die unsere Nachbarn sein könnten. In den alltäglichsten Ereignissen erkennt sie, was ihre Existenzen entscheidet, in einer unerwarteten Wendung lässt sie das Bild eines ganzen Lebens aufleuchten.
Benjamin lebt mit seiner Mutter allein, die Wohnung in der Siedlung am See ist klein, den Hund, den er gerne hätte, kriegt er nicht. Als er Joachim davon erzählt, will der sich einen schenken lassen, am besten zwei, aber Benjamin findet, Hunde sind fast wie Menschen und kein Geschenk.
Eines Tages begegnet Benjamin Herrn Agostini, einem alten Mann aus der Nachbarschaft, auch er wollte sein Leben lang einen Hund. Früher als er ist seine Frau nach einem Sturz ins Pflegeheim umgezogen, jetzt hat er endlich einen, Hemingway heißt er. Aber Herr Agostini ist nicht mehr gut auf den Beinen, er weiß nicht, was aus »Hem« werden soll. Ähnlich wie Karin, die gerne wüsste, wer sich um ihren Hund kümmert, wenn ihr was zustößt, wie sie sagt. Karin ist krank, sie hat Schmerzen, niemand weiß davon. Im Baumarkt kauft sie eine Leiter, vom Nachbarn borgt sie eine Bohrmaschine …
Eva Schmidt erzählt so mitfühlend und bedacht, so teilnehmend und zurückhaltend von den kleinen Dingen des Lebens, als wären sie groß, von den großen, als wären sie klein. Sie erzählt davon, wie wir leben, allein und miteinander, und wie wir uns dabei zuschauen.

»Ein langes Jahr weist Eva Schmidt einmal mehr als Autorin subtiler Ambivalenzen aus, als Hüterin eines poetischen Zauberstabs, der den Blick aufs Leben in der genauesten Schwebe hält.«
Der Standard, Gerhard Melzer

»Dieser so nüchtern daherkommende Roman haut mich völlig um. Die scheinbare Distanz des Kamerablicks bewirkt größtmögliche Nähe. Unversehens bin ich mittendrin in diesem Kosmos des furchtbar gewöhnlichen Scheißlebens. Ich will ein mutterloses Kind adoptieren, einen vereinsamten Rentner besuchen, etwas tun gegen die Lieblosigkeit der Welt. So geht das Wunder von Literatur.«
Berliner Zeitung, Sabine Vogel

»Dem neuen Roman von Eva Schmidt merkt man die literarische Erfahrung der Autorin ebenso an wie das lange Schweigen: das nicht Abgenutzte ihrer Sprache und Erzählweise, die genaue Arbeit an den einzelnen Texten, in denen kein Wort zu viel ist, wie am Erzählbogen, der sich über sie spannt. Vor allem aber spürt man im Vibrieren hinter der stillen Oberfläche der einzelnen Sätze, dass hier jemand wirklich etwas zu erzählen hat.«
Ö1 Ex Libris, Cornelius Hell

»Eva Schmidts so zurückhaltende wie seismographisch genaue Prosa liest sich wie ein Kontrastprogramm zu jeder Form von Publicity.«
Frankfurter Rundschau, Kathrin Hillgruber

»Wo war die Vorarlberger Schriftstellerin Eva Schmidt so lange? ›Ein langes Jahr‹ ist ihr erster Roman seit zwei Jahrzehnten. Bitte mehr! Viel mehr.«
Kurier, Peter Pisa

»Schmidt ist eine genaue Beobachterin der Nöte und spärlichen Freuden ihrer zahllosen Figuren, die sich in diesem übriggebliebenen Idyll ein langes Jahr lang tummeln.«
Profil, Wolfgang Paterno

»Der Text scheint eine Art Experiment, ein Laborversuch zu sein. Durch die Wahl des unprätentiösen Tones treten tragische Schicksalsschläge freilich nur umso stärker in den Vordergrund. Fast schmerzt es, die Figuren am Ende in ihr Leben – oder in ihren Tod – zu entlassen. Ein gelungenes Buch.«
Die Presse, Sophie Reyer